Villette Sonique

Was es auf dem Ty-Segall-Konzert alles NICHT zu sehen gab

Ty Segall & The Muggers

Da wir wissen, dass ihr wisst, dass wir wissen, dass ihr wisst, will ARTE Concert euch nicht zum x-ten Mal erzählen, dass auf dem Ty-Segall-Konzert in der Villette Sonique am 31. Mai „fette Gitarren“ und „dröhnende Sounds“ zu hören waren, denn das wisst ihr, und wir wissen es auch. Stattdessen wollen wir euch lieber von dem erzählen, was es dort NICHT zu sehen und zu hören gab, was ihr also NICHT versäumt habt, wenn ihr gerade anderswo im Netz unterwegs wart. Was fette Gitarren und dröhnende Sounds angeht, gab es allerdings nicht das Geringste zu beanstanden.

Auf dem Ty-Segall-Konzert in der Villette Sonique gab es also folgende Dinge NICHT:

 

  • Große Babys. Es gab genau EINE Babymaske, die kurz von Ty Segall aufgesetzt wurde und ein süßes aber mausetotes und gealtertes Babygesicht zeigte. Was ansonsten die Baby-Ästhetik angeht, die immer wieder auf den Postern und Albumcovers zahlreicher Projekte von Ty auftaucht: sehr … interessant.
Ty Segall & The Muggers 2
Ty Segall & The Muggers 2

 

 

  • Eine korrekte Vorstellung der Musiker. Dafür, dass es sich bei den Muggers um eine kalifornische Super-Group handelt, die alles vereint, was in Sachen Garage, Rock und Sixties-Sound im Jahr 2016 Rang und Namen hat, wurden die Musiker mit ebenso nebulösen wie witzigen Pseudonymen vorgestellt. So hieß Gitarrist King Tuff „Mr. Ten“, während Schlagzeuger Evan Burrows (von der Gruppe Wand) als „Keyser Söze“ vorgestellt wurde und Mikal Cronin trotz des Erfolgs seiner Alben in Frankreich ebenfalls einen drolligen Namen verpasst bekam, an den ich mich leider nicht mehr erinnern kann.
Ty Segall & The Muggers 3
Ty Segall & The Muggers 3

 

  • Einheitliche Einheitskleidung. Alle sahen schick aus, aber jeder auf seine Weise. Nicht ganz so originell waren die psychedelischen T-Shirts mit Fraktalmotiven, die 2016 – traurig aber wahr – weniger an San Francisco in den 1960er Jahren als an den Windows Media Player erinnern. Genial dagegen das Zitat der orangefarbenen Sträflingskleidung.

 

 

  • Keine Rücknahme der Arbeitsmarktreformen. Das war das erste von insgesamt 25 Konzerten der Gruppe, die sie im Zeitraum eines Monats in ganz Europa geben. Jetzt wisst ihr Bescheid über alles, was es auf dem Konzert von Ty Segall NICHT zu sehen gab. Wenn ihr sehen wollt, was es zu sehen gab, startet einfach das eingebettete Video – oder begebt euch schnellstens zum nächsten Konzert. Mehr können wir im Augenblick nicht für euch tun.
     

 

  • Trommelwirbel (oder eine andere Form von Schlagzeugsolo).

 

 

  • Wohlriechende Konzertbesucher. Vielleicht bis auf eine, die allerdings an den Ausdünstungen der anderen erstickt sein müsste. Die klebten und mieften nämlich nach allen Regeln der Kunst.

 

 

  • Misslungene Covers. Denn die Mugger beschlossen ihre Show mit einem Cover von L. A Woman, das die Meute im Cabaret Sauvage in wilde Raserei versetzte, als würde im Saal eine Horde genmanipulierter Nashörner toben.

 

 

  • Patchwork, Crossover, Mashups

 

 

  • Fröhliches Feiern. „Dieses schändliche Ereignis wird heute nicht gefeiert“, ließ Ty im Saal verlauten. „Unser Schlagzeuger Keyser Söze hat heute Geburtstag. Shame! Shame! Shame! Shame! Buuuuuuh.“

 

 

  • Heulen und Zähneklappern. Bis auf ein einziges Mal, als Ty Segall hinter seiner Maske zu heulen begann, um Baby Big Man (I Want A Mommy) anzustimmen.

 

 

  • Eine Möglichkeit, vor dem Ende des Konzerts wieder seine Sneakers zurückzubekommen. Wenn man einen auf cool machen will, sollte man sich zweimal überlegen, ob man mit seinen besten weißen Sneakers auf die Bühne steigt und sich von seinem Musikeridol im wahrsten Sinne des Wortes auf den Schultern tragen lässt, bevor er einen dann wieder ins Publikum wirft, das einem die besagten Sneakers von den Füßen reißt und sie irgendwohin in den Saal pfeffert, wo man sie ganz bestimmt nicht wiederfindet, solange das Konzert läuft …

 

 

  • Sabberlätzchen. Und dabei wurde wirklich eine ganze Menge gesabbert …

 

 

  • Der Mikro-Klau, der für Aufsehen sorgt. Das musste der kleine Schlaumeier feststellen, der versuchte, sich das Mikro des Sängers unter den Nagel zu reißen, also das einzige Tool, das Ty benötigt, seit er nicht mehr am Schlagzeug sitzt (wie in der Gruppe Fuzz) oder auf der Gitarre spielt (wie in allen anderen Formationen. Jetzt konzentriert er sich nämlich ausschließlich auf den Gesang, und das gelingt ihm – nebenbei bemerkt – mit außerordentlicher Präzision.

 

 

  • Lipdubs

 

 

  • Backstage-Pass. Nun gut, den gab es schon, aber hinter der Absperrung gab es bis auf einen riesigen Joint nicht anderes zu sehen als davor.

 

 

  • Eine logische und gerechte Reihenfolge am Ausschank. Hier hieß es warten, hoffen, auf günstige Planetenkonstellationen spekulieren. Falls ihr eine bessere Technik wisst, schreibt sie uns.

 

 

  • Viele Songs aus seinen Soloalben. Das Konzert drehte sich in erster Linie um Mugger 2016. Müs
    Ty Segall & The Muggers à la Villette Sonique
    Ty Segall & The Muggers beim Villette Sonique Dem musikalischen Multitalent Ty Segall macht so schnell niemand seine Position als internationaler König des Garage-Rocks wett.  Eine Kostprobe seines Könnens gibt es in der Villette Sonique. Ty Segall & The Muggers beim Villette Sonique
    sen wir noch ein Wort über fette Gitarren und dröhnende Sounds verlieren? Ich glaube nicht.

 

 

  • Vorzugsbehandlung. Das musste auch der junge Mann mit der Armschiene feststellen, der viermal in den hintersten Winkel des Saales in die bunt zusammengewürfelte Menschenmasse hineingesogen wurde und auf den billigen Plätzen landete.