Route du Rock Hiver

Vorher/Nachher: der Samstag bei La Route du Rock Hiver

Route du Rock Hiver - Samedi 27 Février

Wir besuchten bei La Route du Rock alle Konzerte am Samstagabend. Nachfolgend unsere subjektive Meinung über jeden Act – jeweils vor und nach dem Konzert.   

C Duncan

C Duncan à la Route du Rock Hiver
C Duncan beim Festival Route du Rock Hiver In seinem Homestudio komponiert C Duncan besänftigende, berauschende und stets zutiefst persönliche Musik. C Duncan beim Festival Route du Rock Hiver

 

C Duncan wuchs auf dem Land in Schottland auf. Besondere Merkmale: Er besuchte das Konservatorium, gestaltete das Cover seines Albums selbst und wurde für den Mercury Prize nominiert. Und: Er ist Fan von Sigur Rós.

 

Vorher: Viel zu nett. 

 

Nachher: Sehr nett. Wenn Christopher Duncan die Songs seines 2015 erschienenen Albums Architect spielt, dann geht er dabei unendlich behutsam zu Werke. Der junge musikalische Control freak ist dermaßen konzentriert bei der Sache, dass man die Schuhe ausziehen möchte, wenn man den Raum betritt, in dem er seine Kompositionen spielt. Beim Konzert war dieselbe Nähe zu spüren. Zum Glück behielt das Publikum im Konzertsaal des Nouvelle Vague die Schuhe an.

 

Villagers

Villagers à la Route du Rock Hiver 2016
Villagers beim Festival Route du Rock Hiver 2016 Melodien, die einen nicht mehr loslassen: Villagers ist die irische Folkband um den Songwriter Conor O’Brien. Villagers beim Festival Route du Rock Hiver 2016

 

Villagers ist Conor J. O’Brian, ehemaliges Gründungsmitglied von The Immediate. Das ist jene Band, deren raubeinige – und obendrein irische -  Mitglieder während der Konzerte stets die Instrumente tauschten. Wie seine ehemaligen Kollegen ist auch Conor ein Multiinstrumentalist (Gesang, Gitarre, Schlagzeug, Synthesizer).

 

Vorher: Ein bretonischer Herr in einer Sitzreihe: „So eine blank polierte Harfe – das wird kein Country“.

 

Nachher:

Zuerst beunruhigten uns die Villagers ein wenig, als sie die Gitarre kurz nach Konzertbeginn für ein kurzes Harfe-Synthesizer-Set abgelegten. Doch mit der Rückkehr zur Gitarre verflogen die Bedenken, und es folgte ein Konzert der Extraklasse. Mit einem so perfekt abgestimmtem Sound, dass man noch in den Sitzreihen den Schlagzeuger atmen hören konnte. Und mit einer Stimme, die so sanft und treffend die melancholischen Texte darbot, dass man sich am Ende fragte, ob da nicht ein Roboter gesungen hat. Doch das ist nicht möglich, denn Roboter haben keine Seele.

 

Hooworms

Hookworms à la Route du Rock Hiver 2016
Hookworms beim Festival Route du Rock Hiver 2016 Hinter dem appetitlichen Namen Hookworms stecken fünf große Jungs aus Leeds. Hookworms beim Festival Route du Rock Hiver 2016

 

Hookworms sind Briten, die beim Label Domino unter Vertrag sind. Das Besondere an ihrer Mischung aus Noise und Psychedelic ist neben den treibenden Rhythmen der hohe und von Effekten verfremdete Gesang.

 

Vorher: Hookworms bedeutet auf Deutsch Hakenwürmer. Das sind kleine Fadenwürmer, die als Parasiten den Darm von Säugetieren befallen und dort Blut aus den Darmzotten saugen. Der Befall mit Hakenwürmern wird Ankylostomiasis genannt. Man wusste vor dem Konzert also nicht genau, was einen erwarten würde. (Quelle: Wikipedia)

 

Nachher: Eine einzige Klangwand. Und ein Moment, in dem der Schlagzeuger dermaßen loslegte, dass das Publikum Angst bekam. Manchmal möchte man Wände einschlagen. Ein Rat: Versucht es nicht mit dieser Wand. Vielleicht der beste Rock-Moment bei dieser Route du Rock.

 

Cavern of Anti-Matter

Cavern of Anti-Matter à la Route du Rock Hiver
Cavern of Anti-Matter - Route du Rock Hiver Cavern of Anti-Matter - Route du Rock Hiver Cavern of Anti-Matter - Route du Rock Hiver

 

Cavern Of Anti-Matter: Die kosmische Musik von Cavern of Anti-Matter entsteht durch das bravouröse Zusammenspiel zwischen Tim Gane (Stereolab), dem Drummer Joe Dilworth (Spiritualized) und dem Keyboarder Holger Zapf. Die wilden Improvisationen (der Schlagzeuger fand zuweilen kein Ende) machten das COAM-Konzert zum ersten Krautrock-Erlebnis dieser Route du Rock.

 

Vorher: „Das erste Album war der Entwurf für ein Meisterwerk, das zweite Album wird bestimmt ein Meisterwerk.“

 

Nachher: „Eher nicht, das hier war der zweite Entwurf für ein Meisterwerk“, sagte Rubin Steiner von DRAME.

 

DRAME

Drame à la Route du Rock Hiver 2016
Drame beim Festival La Route du Rock Hiver 2016 Ursprünglich war das Projekt Drame, dessen Name auf die Stimmung der Mitglieder nach den ersten, wenig vielversprechenden Aufnahmesessions zurückgeht, nur ein Zeitvertreib für eine Freundesclique mit viel zu leeren Terminkalendern.  Drame beim Festival La Route du Rock Hiver 2016

 

DRAME bildete als zweite Krautrock-Band des Abends den Abschluss dieser Ausgabe der Route du Rock. Letztes Jahr brachten DRAME ihr freakig-eisiges Debütalbum heraus. Obwohl immerhin sechs Musiker auf der Bühne standen (mit Djembés und Saxophon), spielte die Band nie mehr als drei Noten pro Song.

 

Vorher: Das Beste wäre, wenn das Publikum ausgelassener als bei den anderen Konzerten zur instrumentalen Musik von DRAME tanzen würde, selbst wenn einige Gäste bereits nach Hause ins Bett gegangen sind. Und wenn man am Ende des einmaligen Sets dann eine Zugabe des drückenden Space-Funk fordern würde, DRAME jedoch ohne den leisesten Extra-Ton die Bühne verlassen würden.

 

Nachher: Genauso war es. Nur besser.