Like a Jazz Machine

Stéphane Kerecki und seine Hommage an die Filmmusik

Like a Jazz Machine Stephane Kerecki Quartet

Am Freitag, dem 9. Mai, wurde beim Festival Like a Jazz Machine im luxemburgischen Düdelingen die Komposition „Nouvelle Vague“ des Jazzbassisten Stéphane Kerecki uraufgeführt.

Im Mittelpunkt des ehrgeizigen Projekts steht die Musik der französischen Nouvelle-Vague-Filme, mit schönen Melodien von Georges Delerue („Schießen Sie auf den Pianisten“ von François Truffaut, „Die Verachtung“ von Jean-Luc Godard), Antoine Duhamel („Elf Uhr nachts“ von Godard), Michel Legrand („Die Mädchen von Rochefort“ von Jacques Demy), Miles Davis (der legendäre Soundtrack zu Louis Malles erstem Film, „Fahrstuhl zum Schafott“, den Davis in nur einer Nacht komplett improvisiert einspielte) und Martial Solal („Außer Atem“ von Godard; unvergesslich: Jean Seberg, die auf den Champs-Elysées die New York Herald Tribune verkauft und dabei mit Jean-Paul Belmondo redet; das Cover der bei Outhere erschienenen Platte zeigt ihn in der Badewanne mit einer auf ihn selbst gerichteten Pistole).

 

 

Das Projekt „Nouvelle Vague“ vereint hervorragende Musiker. Der englische Pianist John Taylor, einer der Großen der europäischen Jazzszene, besticht durch seine raffinierte Ästhetik in der Tradition von Bill Evans; sein Spiel ist nuancenreich und präzise, sein ausgeprägter Sinn für Harmonik und orchestrale Klangfarben sowie der geschmeidige Rhythmus seiner Interpretation sorgen für einen frischen, flüssigen Klang, ohne jede Manieriertheit. Emile Parisien spielt Sopransaxophon (das Instrument ist wie das Tenorsaxophon in b gestimmt und wurde von Steve Lacy, John Coltrane, Wayne Shorter und Dave Liebman berühmt gemacht) und erreicht damit eine einmalige Intonation und Klangfarbe. Der Drummer Fabrice Moreau steuert subtile Impulse bei und widmet sich dem ständigen Umbau komplexer musikalischer Strukturen. Und als „Special Guest“ besticht die Sängerin Jeanne Added durch ihre sanfte, natürliche und intensive Stimme. Der Kontrabassist Stéphane Kerecki gibt als Bandleader das Tempo vor, stellt Plansequenzen zusammen, weckt Energien und verteilt die Rollen. Mit großem Erfolg, denn das Ensemble bietet einen vollen, plastischen Sound. Die Musiker erfreuen sich gemeinsam an ihrem frischen, kontrastreichen Spiel zwischen Ernst und Sorglosigkeit. Das Repertoire ist fest umrissen, doch ausschlaggebend ist hier das Engagement der Interpreten, die Konzentration auf den Augenblick in einer eindrucksvollen Mischung aus Wonne und Schmerz. Darin liegt der Reiz des Jazz, der ebenso viele Bilder heraufzubeschwören vermag wie der Film: Er erfüllt die Gegenwart und drängt ihr seinen Rhythmus auf, schafft neue Rahmen und Räume und erfindet unser ganzes Leben neu.

 

 

Sämtliche Konzerte dieser Ausgabe gibt es hier.

 

Foto © Marc Lazzarini / Ville de Dudelange