Route du Rock Été

Route du Rock – Sommerausgabe, reichlich begossen …

Histoire d'eau

Trotz des Matschs war die Stimmung im Fort de St. Père, der Festungsanlage des bretonischen Saint-Malo, gelungen. Und das, obwohl es schon am Donnerstagmorgen zu regnen begonnen hatte, lange vor dem Auftritt von Angel Olsen bei der 24. Sommerausgabe des Festivals

Im Matsch kommt man nur langsam voran, und es dauert doppelt so lange, bis man sich in Straßenschuhen oder auch in Stiefeln bis zur großen Bühne durchgekämpft hat. Zuerst schimpft man, dann findet man sich damit ab, und letztlich freut man sich, weil es geschafft ist. Denn der Weg hat sich gelohnt! Am Ziel warten ungeschliffener Rock, psychedelische Stimmungen, die Perfektion von War On Drugs, die wilde Mähne von Kurt Vile im Kreise seiner Violators, das Feuer der leider nicht vollzähligen Thee Oh Sees. Danach geht es weiter zur Scène des Remparts, wo Real Estate subtilen Pop machen und Fat White Family vor Energie strotzen. Obwohl Caribou ihren performativen Titel „Sun“ nicht enden lassen wollen, gelingt es ihnen nicht, die Sonne herbeizusingen. So verhallen die Melodien von Darkside im Nebel. 

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Nach einer weiteren Regennacht scheint das Gebet von Caribou endlich erhört worden zu sein. Das frisch gemähte Heu hat sich mit der nassen Erde zu unförmigen Batzen verpappt. Aber jetzt verziehen sich die Wolken, und die Stimmung des Festivalpublikums heitert sich im gleichen Maße auf wie der Himmel über dem Fort de St. Père. Alle Konzerte an diesem Freitag sind ausverkauft. Auch heute Abend bestätigt sich die Legende der Verschollenen von Slowdive. Und beim Titel Alison gibt es denn auch einige nostalgische Rufe. Dann Portishead. Einmal mehr liefert die Kultband einen unvergesslichen Auftritt. Zwar sind die Gesichter der Musiker seit ihrem Konzert bei der Route du Rock vor 16 Jahren etwas markanter geworden, doch ihre Musik ist so berückend wie eh und je. Zart und bezaubernd zieht Beth Gibbons das Publikum in ihren Bann. Danach erobern die Kanadier Metz mit ihren Klangsalven die Bühne „Scène des Remparts“. Es ist schon 1 Uhr morgens, als die Liars auf der großen Bühne beginnen. Ihr Mess on a Mission klingt wie ein Resümee dieses zweiten Tages. Die Viertelstunde Verspätung von Moderat ist schnell verziehen, denn das Trio steigt sofort mit A New Error ein. Zwar klebt der Schlamm immer noch an den Sohlen, doch er spielt nur noch eine Nebenrolle.

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Den Einstieg in den dritten und letzten Festival-Tag bestreitet Perfect Pussy mit 20 wilden Minuten auf der Bühne „Scène des Remparts“. Kaum sind die Explosionen der Amerikaner verhallt, kommt Mac DeMarco mit seinen frechen LoFi-Balladen. Genau da überfliegen zwei Heißluftballons die Menge, deren beiden Passagieren das Konzert offenbar gefällt. Derweil umgarnt der Kanadier sein Publikum, wirft sich ungeachtet ebenso unbekannter wie tatschender Hände in die Massen, taucht wieder auf, Zigarette im Mund. Take it slowly, Brother scheint sein Credo zu sein. Ein Rhythmus, den auch Baxter Dury gut kennt. Dem graumelierten Dandy widersteht kaum einer. Seine neuen Songs passen perfekt zu Klassikern wie It’s a pleasure. Einen besseren Refrain hätte er für seinen Auftritt nicht finden können. Es wird Nacht, und die letzten Stunden der Route du Rock 2014 gehören den Mähnen und den schrillen Gitarren von Toy und dann den jungen Briten von Temples. Die „Scène des Remparts“ schließt mit den Geräuschkreationen von Cheveu. Auf der anderen Bühne, der „Scène des Forts“, setzen Jamie XX und Todd Terje den Schlussakkord mit Elektro. Au revoir, Saint-Malo!

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© Foto Rod M