Route du Rock Hiver

[Report] La Route du Rock – weiche Landung garantiert

JK

Ein Nachmittag wie in Watte gepackt. Besser kann es nicht sein nach einer Nacht, in der man sich durch die   überbordenden Playlists von Clara 3000 gekämpft hat.

Der dritte und letzte Tag des Festivals endet in der Chapelle du Saint-Sauveur, keine drei Schritte von den Festungsanlagen entfernt. Es ist kurz nach vier Uhr nachmittags. Julia Kent sitzt neben dem Altar und blickt ins Publikum. Die junge Kanadierin steht auf, geht leisen Schrittes zu ihrem schwarzen Cello, nimmt vorsichtig den Bogen in die Hand und sagt mit einem breiten Akzent: „Ich freue mich sehr, in dieser wunderschönen Stadt zu sein.“ Dann senkt sie wieder den Kopf. Jetzt kann’s losgehen, das Lampenfieber ist weg. Die ersten Akkorde erklingen – feierlich, ausgefeilt, unerwartet. Hohe Kunst. Julia Kent nimmt sich selbst auf, klopft auf ihr Instrument, haucht in ihre Mikros, verstellt mit ihren porzellanweißen Füßen etwas am Sampler. Das alles tut sie mit einem Charme, der einen in den Bann zieht. Viele Zuhörer sitzen mit geschlossenen Augen da, denn diese Klänge lassen starke Bilder im Kopf entstehen. Endlose Meereslandschaften erscheinen vor meinem geistigen Auge.

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Eine Stunde später nimmt Mélanie de Biasio ihren Platz ein. Das jazzige Quartett schafft eine heimelige Stimmung wie in einem alten amerikanischen Krimi: Downtempo-Rhythmus, groovige Bassläufe und diese säuselnde Stimme, die über das hyperempfindliche Mikro kommt. Die junge Belgierin trifft die richtige Bluesstimmung für diesen Sonntagabend. Zeit nach Hause zu gehen.

 

Foto © Rod M