Eurosonic

Ohren auf für das EUROSONIC Festival in Groningen!

Eurosonic

Wir haben uns auf den Weg nach Groningen in den Norden der Niederlande gemacht, um vor Ort die 31. Ausgabe des Eurosonic Festivals zu verfolgen. Mehr als 40 000 Zuschauer und Tausende Branchenprofis aus der ganzen Welt hatten die Qual der Wahl aus Hunderten Konzerten und Dutzenden Vorträgen, die in der ganzen Stadt Besucher anlockten. Auch für uns eine ziemliche Herausforderung, doch wir hoffen, die richtige Wahl getroffen zu haben und stellen an dieser Stelle unsere Lieblingskünstler vor – natürlich live auf der Bühne.

Wenn die ganze Welt nach Groningen kommt, dann hat das in erster Linie den Grund, dass die Musik- und Festivalbranche sich dort leicht über Newcomer und Neuentdeckungen informieren kann. Und wenn die ganze Welt anschließend wiederkommt, liegt das sowohl an dem Charme, den das von Kanälen durchzogene Klein-Amsterdam ausstrahlt, als auch an der Bandbreite der Spielorte, die von Kirchen (zuweilen mit großen Orgeln) über Bars und Theater bis hin zu verschiedenen Konzertsälen reicht. Und wenn die Künstler so gerne bei diesem Festival dabei sind, liegt das zweifellos daran, dass auch sie eines Tages von sich behaupten können möchten, dort ihre Karriere begonnen zu haben – wie unter anderem The Notwist, An Pierlé, Kings Of Convenience, Alamo Race Track, Hooverphonic, Villagers, Balthazar oder auch Melanie De Biasio.

 

In diesem Jahr wollten wir nicht nur – wie gewohnt – ungekürzte Konzertmitschnitte zeigen, sondern auch einzelne Auftritte, die wir vor Ort mit der 360°-Kamera gedreht haben und die einen Live-Eindruck vermitteln, als ob man mitten auf der Bühne stehen würde. Außerdem gibt es die eine oder andere Private Session, die wir am Rande des Festivals aufgezeichnet haben und bei der ausgewählte Künstler einzelne Songs ganz exklusiv nur für die ARTE-Zuschauer vortragen. Neugierig geworden? Dann wollen wir mal einen Blick auf das Festivalangebot werfen!

Mit Joep Beving aus Amsterdam steht das Klavier im Mittelpunkt, für eine Stunde schnörkellosen, puren Musikgenuss. Die Reise führt von klassischen zu zeitgenössischen Stücken, ohne Gesang zwar, dafür aber mit virtuoser Beherrschung der Tasten. Ideal für alle Fans von Lubomyr Melnyk oder – für die etwas Jüngeren – von Nils Frahm. Erleben Sie noch einmal das vollständige Konzert.

Joep Beving au festival Eurosonic
Joep Beving beim Eurosonic-Festival ​Joep Beving verbindet minimalistische Klänge mit großem Gefühl und erinnert darin an Lubomyr Melnyk. Joep Beving beim Eurosonic-Festival

 

Der Italiener Fil Bo Riva und seine Musiker haben uns eine kleine Privataudienz gewährt – auf der Spitze eines Groniger Turms, denn um dem Folk-Pop und der altersweisen Stimme des in Wirklichkeit noch sehr jungen Sängers die gebührende Ehre zu erweisen, muss man dem Himmel schon ein Stückchen näher sein. Begleiten Sie uns auf Wolke sieben!

Fil Bo Riva au festival Eurosonic
Fil Bo Riva beim Eurosonic-Festival Geboren in Italien, aufgewachsen in Irland und wohnhaft in Deutschland – Fil Bo Riva ist ein echter Europäer. Fil Bo Riva beim Eurosonic-Festival

 

Er zählt wohl zu denjenigen, die in der französischen Presse am häufigsten Erwähnung finden, denn Mario Batkovic ist es gelungen, fast sämtliche Kritiker wieder mit dem Akkordeon zu versöhnen. Fern aller Musettewalzer-Klischees hat Batkovic den Sound der guten, alten Quetschkommode neu erfunden – so neu, dass man glaubt, ein völlig anderes Instrument zu hören. Er spielt mit dem Balg, malträtiert ihn, macht ihn sich gefügig, um noch den letzten Lufthauch aus ihm herauszuquetschen und ihm die außergewöhnlichsten Klänge abzuringen. Am Fuße der Kirchenorgel der Der Aa-Kerk versetzt der bosnische Musiker das Publikum in basses Erstaunen. Das muss man in voller Länge gesehen haben!

Mario Batkovic au festival Eurosonic
Mario Batkovic beim Eurosonic-Festival Wie Philip Glass oder Nils Frahm lotet auch Batkovic die Grenzen seines Instruments aus und schlägt Brücken. Mario Batkovic beim Eurosonic-Festival

 

„No applause, no phone calls”: Jan Swerts gibt den Zuschauern zu Beginn seines Konzert klare Anweisungen, denn der Musiker will sie nach Schaduwland entführen, ein Land voller Düsternis und Traurigkeit – und neo-klassischer Musik, aus der tiefste Verzweiflung klingt. Das könnte jetzt ein wenig abschreckend klingen, doch tatsächlich ist es alles andere als das: Gebannt verfolgt das Publikum ein Hochamt intimer Bekenntnisse, die jedem von uns vertraut sind. Zum immer und immer wieder hören.

Jan Swerts au festival Eurosonic
Jan Swerts beim Eurosonic-Festival Die Begegnung mit Jan Swerts und seine Interpretation von „Schaduwland“ am Klavier werden also hochemotional. Jan Swerts beim Eurosonic-Festival

 

Das gilt auch für den Konzertausschnitt von Birthh. Das Eurosonic Festival sicherte sich frühzeitig die Teilnahme des vielversprechenden italienische Projekts mit seinen gerade einmal 20 Jahre jungen Musikern; das SXSW hatte sie schon im vergangenen Jahr zu Gast. Die Gruppierung besticht durch ihre elektronisch arrangierten und produzierten Folk-Melodien, ihre Vorliebe für Chorgesang (Cocorosie lässt grüßen) und die an The XX erinnernden Gitarreneffekte. Vor allem aber strahlt sie eine starke Persönlichkeit aus, die jenseits aller musikalischen Parallelen von der ersten Note an zu spüren ist. Wetten, dass ein einziger Song genügt, um auch Sie zu überzeugen?

Birthh au festival Eurosonic
Birthh beim Eurosonic-Festival Der Italienerin verleiht dem Projekt eine verletzlich wirkende Sensibilität, die einen nicht mehr loslässt. Birthh beim Eurosonic-Festival

 

In der Brust von Black Oak schlagen zwei Herzen: eines für den Pop und eines für den Folk. Das Duo, das wohl die kleinste ‚Supergroup‘ Europas ist (es besteht aus einem Musiker von The Black Atlantic und einem Musiker von I Am Oak) mag sich auf keine der beiden Musikrichtungen festlegen, doch das ist halb so wild, denn das Ergebnis klingt verdammt gut! Wir präsentieren das Konzert in voller Länge, damit Sie sich dem unbeschwerten Ambiente voll hingeben können.

Black Oak au festival Eurosonic
Black Oak auf dem Eurosonic-Festival Die Niederländer haben eine Schwäche für traumhaft-flaumige Klänge und Folkmusik mit poppigen Einflüssen.  Black Oak auf dem Eurosonic-Festival

 

Am Wasser, aber warm eingepackt, gab das Duo Best Youth seinen Song „Black Eyes“ zum Besten. Sie können diesem berühmten Elektro-Pop-Stück in einer ganz besonderen – man möchte fast sagen: ätherischen – Version exklusiv bei ARTE lauschen. Ein echtes Highlight! Überzeugen Sie sich selbst.

Best Youth au festival Eurosonic
Best Youth beim Eurosonic-Festival Wir haben ihre Klänge bei einer privaten Session in tiefer niederländischer Nacht eingefangen. Best Youth beim Eurosonic-Festival

 

Sie kommen aus Lettland und haben ihre Turntables mitgebracht: Das Duo Bandmaster ist zum einen in Sachen DJing und Produktion unterwegs, zum anderen sind sie auch gesangsmäßig bestens aufgestellt. Sie lassen das Genre Midtempo-Auto-Celebration wieder aufleben – sofern es das jemals gegeben haben sollte. Hier kann man sich einen Eindruck davon verschaffen.

Bandmaster au festival Eurosonic
Bandmaster beim Eurosonic-Festival Das Trio Bandmaster besteht aus dem DJ/Produzenten Rudd, dem Produzenten Andis Ansons und der Sängerin Vina. Bandmaster beim Eurosonic-Festival

 

Idles sind eine fünfköpfige britische Rockband, und wenn wir Rock schreiben, dann meinen wir auch Rock. Sie selbst bezeichnen sich als „angry band“, und ehrlich gesagt trifft das den Nagel auch völlig auf den Kopf. Daher wollen wir uns nicht in Ausführungen zu den unterschiedlichen Ausdruckformen von Wut ergehen, denn Sie wissen sicherlich schon genau, was wir eigentlich sagen wollen. Stattdessen empfehlen wir, sich die folgenden 7 Minuten 27 Sekunden aus dem Konzert der Idles anzuschauen – ein wilder Cocktail aus Punk, Garage und ... Rock eben!

IDLES au festival Eurosonic
IDLES beim Eurosonic-Festival Die Jungs von IDLES beweisen: Böse Buben mit kreischenden Gitarren haben bei den Briten immer Hochkonjunktur. IDLES beim Eurosonic-Festival

 

Dass Brian Eno Produzent ihrer jüngsten CD ist, hat uns dazu inspiriert, ein entsprechend anspruchsvolles 360°-Video zu drehen – wir haben mit, in und um The Gift herum in einer Bibliothek gefilmt. Der Song verfügt über eine geniale Dynamik, und die Band präsentiert sich und ihre musikalischen Fähigkeiten mit einer ordentlichen Portion Humor. Es macht richtig Spaß, ihnen beim Spielen zuzuschauen, ihre Begeisterung ist absolut ansteckend. Und das – dank 360°-Technik – bis in den letzten Winkel.

Wenn man sich Salut C’est Cool in der Panoramaversion anschaut, weiß man manchmal nicht mehr, wer von der Gruppe oder im Publikum am abgefahrensten ist. Da muss man vielleicht noch einmal genauer hinschauen, um bei diesem Song in 360°-Aufnahme ein endgültiges Urteil fällen zu können. Und? Schon entschieden?

Foto © Siese Veenstra