King of Diaspora

King of Diaspora

In den Siebzigern begann er seine Karriere in der berühmten Soukous-Band Zaiko Langa Langa. Heute gehören Papa Wembas Lieder in den afrikanischen Diskotheken in Europas Städten zum Pflichtprogramm. Er selbst lebt seit den Neunzigern in Paris und die meisten seiner neueren Songs singt er inzwischen auf Französisch, nicht wie früher auf Lingala. So gelangte er mit seiner eigenen Musik zu internationaler Berühmtheit.

 

Berühmtheit? Ich habe bis vor kurzem noch nie von ihm gehört. Um mehr über seine Musik zu erfahren, besuche ich Menschen, die mit solchen Klängen aufgewachsen sind. Ich mache mich an einem Freitag Abend auf in den Wedding, den Berliner Bezirk, wo die meisten der 17.000 Afrikaner der Stadt wohnen. Im dortigen Sprenglerkiez trifft sich eine Gruppe Kongolesen regelmäßig in einem Friseurladen.

Als ich in dem Barbershop ankomme, unterhalten sich dort vier Männer angeregt auf Kongolesisch. Sie haben sich für deinen späteren Diskobesuch herausgeputzt und trinken Bier. Auf einem großen Flatscreen laufen typische kongolesische Musikvideos von Dr. Sakis: meist pixelige DV-Kamera-Aufnahmen von leichtbekleideten Tänzerinnen vor Blue-Screen-Hintergründen.

Wie es sich für eine Pop-Ikone gehört, hat Papa Wemba nicht nur den musikalischen Stil Afrikas mit seinen Rumba-Rhythmen geprägt, auch modisch ist er ein Vorbild. Als sogenannter Sapeur trägt er bei seinen Auftritten Designerklamotten - und viele ahmen seinen extravaganten Stil in ihrer Freizeit nach.

Ich spreche mit Jose, dem Besitzer des Eck-Ladens, der die Musik von Wemba selbstverständlich kennt: „Wemba ist einer der bekanntesten Musiker in Afrika.“ Er deutet auf die DVD-Ständer, die im Laden verteilt stehen. Drei Drehständer, wie man sie von Touristen-Läden für Postkarten kennt, sind proppenvoll mit Musik-DVDs gefüllt. Joses Laden ist nicht nur für die Frisuren der Community verantwortlich, er versorgt sie auch mit der neuesten Musik. „Das ist Musik aus ganz Afrika – egal woher, ich kann dir alles besorgen“. Die meisten DVDs in den Ständern sind von Papa Wemba. Jose betont seine Bedeutung, nicht nur für den Kongo, für ganz Afrika und die vielen Exil-Afrikaner in Europa.

Aber weshalb ist ein so wichtiger und einflussreicher Musiker wie Wemba in Deutschland nicht bekannter, frage ich mich? Auch Jose kann das nicht verstehen. Wenn es nach ihm ginge, müsste Wemba mehr Einfluss haben als Michael Jackson. Ob er denn auch europäische Musik kenne, frage ich nach. Nein, er hat nur afrikanische Freunde, afrikanische Kunden und geht in afrikanische Clubs. Die Afrikaner haben hier ihre eigene Subkultur, erklärt er, und Papa Wemba ist eine ihrer Leitfiguren.

Später bricht Jose mit seinen Freunden in den afrikanischen Club ‚Surprise“ im Tiergarten auf. „Wie jedes Wochenende.“ Für zu Hause gibt er mir eine Mix-DVD mit Pop-Musik im Stile Wembas aus ganz Afrika mit. „Versuch's mal, das sind die neuen Stars“, sagt er und drückt damit aus, was er für die beste Antwort auf Fragen nach der Musik Afrikas hält: Anhören!

Auf dem 23. Africa Festival tritt Papa Wemba am 03.06. um 22.00 Uhr auf.
Und natürlich auf ARTE Live Web.

 

Über den Autor: Schon während des Studiums in Köln arbeitete Jonathan Lütticken als Musikredakteur beim Hochschulradio. Es folgte die Teilnahme am Atelier Ludwigsburg/Paris von der Filmakademie Ludwigsburg und der La Fémis in Paris. Nach mehreren Jahren Tätigkeit für internationale Kino- und Dokumentarfilme ist er nun als Community Manager für Arte Live Web aktiv.

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