Jazz à la Villette

Jazz à la Villette: Kneebody, Joshua Redman & The Bad Plus

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Crossover beim Festival „Jazz à la Villette“! Am Dienstag, dem 9. September, boten die Kalifornier von Kneebody eine energiegeladene Performance mit Rock- und Elektro-Elementen, bevor sie dem großen Joshua Redman und The Bad Plus die Bühne überließen

Kneebody formierten sich vor über zehn Jahren in Los Angeles und haben bereits vier Alben herausgebracht. Doch erst jetzt wagen sich die fünf Bandmitglieder – inzwischen (fast) erwachsene Jungs Ende dreißig – an die Eroberung Europas. Ihr Auftritt als „Vorgruppe“ von Joshua Redman und The Bad Plus beim Festival „Jazz à la Villette“ war dabei eine wichtige Etappe. Große Bühne, großes Publikum – was will man mehr! 

Das Konzert begann mit einer Charmeoffensive: Kaveh Rastegar, Bassist der Band und langer Lulatsch von mindestens zwei Metern, eröffnete den Abend in holprig coolem Französisch und gewann sofort das Herz des Publikums. Doch auch musikalisch überzeugte Kneebody vom ersten Titel an mit einem dichten, extrem rhythmischen und makellos flüssigen Sound. Adam Benjamins verzerrtes Fender Rhodes Piano spielte die Rolle einer E-Gitarre; Ben Wendel blies virtuos in sein Tenorsaxophon und spielte mit den Effektpedalen, und am Schlagzeug sorgte der introvertierte Nate Wood für fast schon mechanische Präzision. Die Rhythmusgruppe lief wie ein Schweizer Uhrwerk. Die Kompositionen von Kneebody sind komplexe, labyrinthische Gebilde, in denen die Melodie eher eine Nebenrolle spielt. Das Quintett will vor allem überraschen, wobei das „Feeling“ manchmal zu kurz kommt. Doch zum Glück löste sich die Spannung hin und wieder, und die Musik konnte atmen. Joshua Redman stand am Rande der Bühne und schaute aufmerksam zu. Was er hörte, schien ihm zu gefallen, denn er nickte unablässig und zustimmend im Takt. „Joshua hat uns sehr unterstützt und sich uns gegenüber immer großartig verhalten“, erklärte uns Kaveh Rastegar später.

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Wie erwartet kam Redman im zweiten Teil des Konzerts selbst auf die Bühne, begleitet von drei Jazz-Cowboys: The Bad Plus haben gerade ein neues Album mit dem Titel Inevitable Western herausgebracht. Der Auftritt begann mit Kompositionen des Bassisten und erstklassigen Folk-Melodikers Reid Anderson. Auf der Bühne spielte jeder seine gewohnte Rolle: Dave King gab die sanfte Bestie am Schlagzeug, Ethan Iverson verlor sich am Klavier in immer wilderen Schnörkeln und schien schon fast frei zu improvisieren, und Joshua Redman holte das Trio behutsam von seinen rockigen Höhenflügen zurück auf den Boden des Jazz. The Bad Plus besitzt das unnachahmliche Talent, Anmut mit Grunge und Poesie mit Durchgeknalltheit zu vereinen. Ihre schwerelosen Themen entwickeln sich in langen Crescendi und erreichen Gipfel der Intensität. Den Höhepunkt des Konzerts bildete das letzte Stück unmittelbar vor der Zugabe. Es war ein echter Knaller, mit Worten nicht zu beschreiben! Und so sei einfach der populärste Titel des französischen Buchherbstes zitiert: „Merci pour ce moment“ – „Danke für diesen Augenblick“! 

© Foto Francis Vernhet