Jazz à la Villette

Hiatus Kaiyote & Mulatu Astatké

Mulatu Astatke

In diesem schönen, sonnigen Spätsommer entfernt das Pariser Konzerthaus Cité de la Musique für das mit Spannung erwartete Konzert des Ethio-Jazz-Stars Mulatu Astatke vorsichtshalber die Sitzreihen.

Stehend drängte sich das zahlreich erschienene Publikum vor der Bühne. Den faszinierenden Auftakt bildete der Act der australischen Band Hiatus Kaiyote mit ihrer charismatischen Frontfrau, der Sängerin und Gitarristin Nai Palm.


Das gut eingespielte Quartett präsentierte eine neue, originelle Art von Soul-Musik mit Anklängen an Rock, altvertrauten Pop und bestimmte Elektrorhythmen. Aber auch jazzige Einschläge waren dabei, die manchmal an Joni Mitchell erinnern, vermischt mit einer Prise Prince und Meshell Ndegeocello!


Durch Hiatus Kaiyote bestens vorbereitet, ging es anschließend auf die Reise in die Welt des Ethio-Jazz: der Verschmelzung von Jazz, traditioneller äthiopischer Musik, Latino-Klängen und einem perfekten Pop-und-Soul-Mix vom Ende der 1960er Jahre, kombiniert mit jenen speziellen Fünfton-Skalen, die das Besondere dieser Richtung ausmachen.

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Der Vibrafonist, Perkussionist und Keyboarder Mulatu Astatke wird als „Vater des Ethio-Jazz“ bezeichnet und ist gleichzeitig dessen berühmtester Vertreter. Mit seinen 71 Jahren ist er immer noch in Top-Form. In seinem sehr temperamentvollen, fröhlichen und sinnlichen Konzert verbinden sich Tanz und Trance zu einer ungestümen, kommunikativen Musik, die das Publikum mehr als eineinhalb Stunden lang mitriss und erregte.


Mulatu Astatke trat zusammen mit der begabten englischen Band Step Ahead auf, unter deren sieben Musikern besonders der Saxofonist-Flötist James Arben und der Cellist Danny Keane hervorzuheben sind. Auf dem Programm standen die zu Klassikern avancierten Titel Yekermo Sew und Yegelle Tezeta, die Jim Jarmusch im Soundtrack seines Films „Broken Flowers“ verwendet hat, darüber hinaus das sehr lateinamerikanisch klingende Stück Chik Chikka und die neuen Titel Azmari und Motherland Abay aus Astatkes jüngsten Album „Sketches of Ethiopia“, erschienen bei dem französischen Label Jazz Village. Das Zuhören ist eine wahre Freude!

 

 © Foto Francis Vernhet