The Divine Comedy: Kammerpop in der Philharmonie

The Divine Comedy © Rémy Grandroques

Der zweite Popabend in Folge in der Philharmonie in Paris: eine doppelte Feuertaufe und genauso unweigerlich gelungen wie grundlegend bipolar. Auf die perfekte Darbietung der Tindersticks folgt völlige und extrovertierte Entspannung mit Neil Hannon und The Divine Comedy. „Wir sind gekommen, um zu zeigen, was wir können“, lacht er vor dem Soundcheck, „es wäre anmaßend, sich ständig neu erfinden zu wollen – und ich glaube, dafür bin ich ohnehin zu alt. Daher haben wir beschlossen, uns nicht an den Ort anzupassen, so großartig der sein mag, sondern vielmehr den Ort unserer Musik anzupassen.“

Die Rückkehr des Iren Porte de la Villette – nach seinem Auftritt in der Cité de la Musique vor einigen Jahren, wo er völlig freies Spiel hatte – öffnet ein neues Kapitel in seiner Liebesbeziehung zu Frankreich: „Man darf nicht vergessen, dass mein Album Liberation nur hier auf Begeisterung gestoßen ist. Das hat mir die Kraft und den Mut gegeben, im Jahr darauf mit Promenade weiterzumachen. Sonst hätte The Divine Comedy das Jahr 1993 vielleicht nicht überstanden. Ich liebe euer Land. Ich fühle mich hier wohl. Ich mag die französische Kultur und Literatur, und ihr wisst sicher, dass eine ganze Reihe eurer Sänger und Sängerinnen, insbesondere Edith Piaf, mich immer wieder inspiriert haben.“

Daher auch der French Touch des kabaretthaften Ambientes, das er so sehr liebt und mit dem er seinen bunten und reich verzierten Kammerpop würzt, ohne dabei zu hochtrabend zu wirken. Hannon lacht erneut: „Das ist das Markenzeichen von The Divine Comedy: Wir lassen uns in keine Schublade stecken, kombinieren aber trotzdem einige Konstanten, was unsere Inspirationsquellen betrifft und die Art und Weise, wie wir uns geistige Nahrung verschaffen.“ Ein amüsantes Statement im Land des Käses und der Etikette.

The Divine Comedy à la Philharmonie de Paris
The Divine Comedy - Philharmonie de Paris The Divine Comedy - Philharmonie de Paris The Divine Comedy - Philharmonie de Paris

Neil und seine Truppe (Bass/Schlagzeug, Keyboards, Akkordeon, Violine, Cello und Trompete) servierten in zwei Sets und ebenso vielen Stunden nur ihr Bestes, mit echter Begeisterung und zunehmender Energie. Der Ire ist ein Entertainer ohnegleichen und ein unermüdlicher Charmeur mit echtem Sinn für Humor, sei er doppeldeutig, absurd nach britischer Tradition oder selbstironisch (Hannon ist ein miserabler Gitarrist, was er offen zugibt und regelmäßig beweist). Er hat sich sogar erlaubt, Booklovers, einen seiner größten Hits, neu zu erfinden, was zu amüsanten Diskussionen mit manchen Fans führte.

Insgesamt war das Konzert ein schönes Beispiel dafür, wie mitreißend Musik sein kann und wie gutes Tracklisting funktioniert: Zum Schluss gab es eine Standing Ovation, und der ganze Saal tanzte und dankte der Band, die ihnen zwei Stunden lang so viel geboten hatte.

Nach der ersten Zugabe schwebte The Divine Comedy im siebten Himmel: „Ihr seid genial!“, rief Neil. Jeder bekommt das Publikum, das er verdient. Quod erat demonstrandum.

Foto © Rémy Grandroques