Den Kriegsopfern zum Gedenken

Shell Shock

Nick Cave, Nicholas Lens und Sidi Larbi Cherkaoui ehren die Opfer des Ersten Weltkriegs mit einer ungewöhnlichen Oper voller Empörung.

In der Ferne zeichnet sich der Schatten einer Armee ab. Soldaten schälen sich aus dem Nebel, kerzengerade, würdevoll, doch angsterfüllt im Angesicht des Todes. Willkommen in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs! Über 18 Millionen Menschen fielen dem Gemetzel zum Opfer. Ihnen setzen der Songwriter Nick Cave, der Komponist Nicholas Lens und der Choreograf Sidi Larbi Cherkaoui mit „Shell Shock. A Requiem of War“ ein Denkmal. In ihrem ersten Gemeinschaftswerk haben sich diese drei sehr unterschiedlichen Künstler einer großen Herausforderung gestellt: das Unsägliche in Musik fassen, das Leid singen, den Schrecken tanzen.

Zwölf Anonyme, die sich in den Wirren des grausamen Krieges verloren haben, interpretieren ihre schmerzerfüllten cantos, darunter ein auf fremder Erde gefallener Soldat aus den Kolonien, ein viel zu jung gestorbenes Kind und eine vor Mitleid vergehende Krankenschwester, die das merkwürdige Bedürfnis verspürt, „ihre Verletzten roh zu verschlingen“. Aus den Texten von Nick Cave, der erstmals ein Libretto schreibt, sprechen Schlamm, Staub und Blut. Die mal dissonante, mal elegische Musik von Nicholas Lens prallt auf die Körper der Tänzer, die der großartige Sidi Larbi Cherkaoui im Brüsseler Théâtre de la Monnaie sehr beeindruckend in Szene setzt. „Der Mensch ist nicht sträflich, der Krieg ist es“, skandieren sie im Chor. Ein Schrei, der in das Dunkel der Vergangenheit dringt. 

Foto © Filip Van Roe