[PIAS] NITES

Bloc Party im Interview

Bloc Party

Foto © Rachael Wright

Kele Okereke steht Rede und Antwort: Bloc Party-Frontmann über Improvisation, Spiritualität und das neue Album.

Bloc Party: „Jedes Album ist eine Wiedergeburt.“

Bloc Party haben in letzter Zeit eine Menge weggesteckt: Erst wurden sie mit „Banquet“ zur Galionsfigur des Rock-Revivals der frühen 2000er, dann verabschiedeten sie sich binnen kurzer Zeit gleich von zwei langjährigen Mitgliedern –  2012 von Schlagzeuger Matt Tong und 2015 von Bassist Gordon Moaks. Doch es braucht einiges mehr, bis die Gründungsmitglieder Kele Okereke und Russell Lissack die Waffen strecken! Mit Justin Harris am Bass und Louise Bartle am Schlagzeug gewannen Bloc Party wieder an Fahrt und präsentierten im Januar das fünfte Studioalbum „Hymns“. Am 16. April sind sie zu Gast auf dem Festival Printemps de Bourges – wir haben schon am 3. März im Pariser Trianon mit Kele Okereke gesprochen. Trotz seiner Müdigkeit plauderte der charismatische Sänger über die Entstehung des neuen Albums und die Entwicklung der Band.  

 

Hymns: das Album einer Wiedergeburt

Wir wollen jedes Mal etwas Neues präsentieren. Bei Hymns war das noch ein wenig anders, denn es ist das erste Album in der neuen Besetzung. Justin ist wirklich ein unglaublich guter Bassist. Wir lernten ihn 2009 kennen, als er noch bei Menomena spielte. Nach Gordons Fortgang dachten wir sofort an Justin, um den Platz neu zu besetzen. Louise stieß dann im vergangenen Jahr dazu. Sie ist ein Wunder – erst einundzwanzig, und schon so ein Talent am Schlagzeug! Wir hatten gleich ein gutes Gefühl. Die Chemie hat ab der ersten Probe gestimmt. Das ist das Wichtigste – denn wer in einer Gruppe nicht improvisieren kann und keinen Draht zu den anderen findet, wird nie dazugehören. Egal, wie gut man spielt!

Ein spirituelles, fröhliches Album …

Den Titel „Hymns“ hatten wir gefunden, bevor das erste Stück geschrieben war. Er war der Ausgangspunkt, aus dem sich das Ganze entwickelt hat. Daher schwingt in dem Album auch viel Spiritualität mit. Ein Thema, das wir bei Bloc Party immer wieder ausloteten – auch wenn ich ihm zunächst eher widerwillig gegenüberstand. Ich denke dabei vor allem an Tracks wie „The Prayer“ auf dem Album A Weekend in the City. Als Autor hat mich das Thema dennoch immer fasziniert. Ich glaube, in Hymns nähern wir uns dem an, was Spiritualität für mich bedeutet und mich heute mit dem Glauben, der Welt und den Sternen verbindet. Das Songwriting Album war nicht leicht, denn ich musste Dinge ansprechen, die mir heilig sind. Das Vorgängeralbum Four war sehr eindringlich und klang mehr nach Heavy. Entsprechend logisch erschien es uns, nun eine völlig andere Richtung einzuschlagen. 2014-2015 wussten wir schon, dass wir dieses Album machen würden –  und jetzt wissen wir bereits, dass das nächste Album wieder ganz anders wird.

Eine neue Stimme

Als wir vor fast 15 Jahren anfingen, fühlte ich mich bei den Proben von meiner eigenen Stimme abgestoßen. Ich hatte den Eindruck, dass es die Stimme eines anderen ist. Ich erkannte mich in meiner Stimme nicht wieder. Inzwischen sehe ich das anders. Die Musik von Bloc Party ist oft intensiv und aufrüttelnd, doch ich wollte versuchen, meine Stimme tiefer und ruhiger klingen zu lassen. Erst kürzlich sprach ich mit Justin über Tom Waits, dessen Stimme sich im Laufe der Zeit verändert hat – und mit ihr seine Fangemeinde! Ich fand das ziemlich cool und ich bin gespannt, wie sich das für Bloc Party entwickelt.

 

Bloc Party
Nouveaux visages chez Bloc Party
Neue Gesichter bei Bloc Party

 

Eine Bühnenband mit Studiomusikern

Ich liebe es, auf Tour zu gehen und neue Leute kennenzulernen. Für diese Möglichkeit sind wir sehr dankbar. Ich muss aber zugeben, dass es nicht meine Lieblingsbeschäftigung ist. Musik machen, ihr echtes Leben einzuhauchen, ist für mich das Größte. Ich persönlich verbringe lieber mehr Zeit im Studio als „on the road“. Manchmal möchte ich einfach nur kreativ sein. Meine Pläne für ein drittes Soloalbum sind daher kaum verwunderlich, auch wenn Bloc Party aktuell noch Priorität hat. Mittlerweile touren wir schon seit fünfzehn Jahren um die ganze Welt. Neue Länder zu sehen, ist eine tolle Erfahrung. Es kann aber auch kontraproduktiv sein. Auf Tour verliert man den Sinn des eigenen Lebens schnell aus den Augen. Das heißt aber nicht, dass man auf der Bühne keinen Spaß hat! Eine meiner schönsten Konzerterinnerungen in Frankreich waren die Eurockéennes 2005. Das war völlig abgefahren! Ich liebe das französische Publikum. Die Franzosen gehören zu den ersten, die unsere Musik ernst genommen haben.

Haufenweise Favoriten

Im Augenblick kriege ich einen Song nicht aus dem Kopf, den ich bei meinem letzten Besuch in Deutschland entdeckt habe: „White Foxes“ von Susanne Sundfor. Ich liebe ihn! Es klingt ein wenig nach Kate Bush. Ein anderer Track, den ich quasi in Endlosschleife höre, ist „Garage Skank“ von Kano. Ich glaube, dass wir von diesem Rapper noch viel hören werden. Was die Literatur angeht, las ich gerade den Roman Americanah der nigerianischen Autorin Chimamanda Ngozi Adichie. Beyoncé hat ihn erst kürzlich in ihrem Song „Flawless“ gesampelt. Ich schäme mich ein wenig es zuzugeben, aber der letzte Film, den ich im Kino gesehen habe, war Zoolander 2. Besser gefiel mir aber Tangerine, den ich davor gesehen habe. Nur für Konzerte finde ich fast keine Zeit – ich muss meine Kräfte für unsere Auftritte schonen! Aber wenn ich in Deutschland bin, mache ich immer einen Abstecher ins Berghain.

 

Fünf Meilensteine in der Karriere von Bloc Party

2002: Gründung von Bloc Party in London.

2005: Veröffentlichung des Debütalbums Silent Alarm.

2010: Veröffentlichung von The Boxer, des ersten Soloalbums von Kele Okereke.

2013: Bloc Party kündigen nach dem Weggang von Schlagzeuger Matt Tong und Bassist Gordon Moakes eine Auszeit an.

2016: Veröffentlichung von Hymns, dem fünften Studioalbum der Band.

 

Bloc Party bei den [PIAS] NITES - hier könnt ihr das Konzert im Pariser Olympia in voller Länge anschauen:

Foto © Mauro Melis

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